Reise nach Songkhla. Thailand wie im Bilderbuch.

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Von Hans Michael Hensel

Bangkok. Ich schreibe vom eigentlichen Songkhla, der Provinz und der gleichnamigen Stadt, die schon als Teil des alten Inselindiens Si Wichai („Sri Vijaiya“) ein Kulturzentrum war. Thais nennen es oft noch สิงขร Singkkon, nach dem Sanskrit/Yawi-Begriff Singora, den jahrhundertelang auch die Europäer für diese Gegend benutzten.

Noch vor kurzem hörte man, daß es entlang der Küste nordlich von Songkhla kein einziges Resort gäbe, trotz des schier endlosen Strands. Für Reiseführer bestand die Provinz ohnehin nur aus den Stadtbezirken Hat Yai und Songkhla. Wir indes hatten voriges Jahr erfahren, daß es dort inzwischen doch ein Strandhotel gibt, und das sogar unter deutscher Leitung. Zudem recherchiert die holde Gattin über Traditionelle Thai Medizin. In Songkhla, so hörte sie, gäbe es in einem Tempel Darstellungen von ฤาษีดัดตน Ruesi Dat Ton (Einsiedler in Yoga-Haltungen) aus dem 19. Jahrhundert.

 Ende Januar machten wir uns auf in den Süden.

„Wie kommt man dazu, hier als Ausländer an einem völlig unbeleckten Strand das erste Resort zu bauen?“ frage ich Uwe Welschinger, Mitgründer und Manager des Ao Thai Resorts, als er uns am Flughafen in Hat Yai abholt.
  • „Wir haben gezielt im bisherigen touristischen Niemandsland gebaut. Die Grundstückssuche dauerte über ein Jahr. Im Juni 2010 konnte das Gelände ersteigert werden, eine stillgelegte Fabrik zur Garnelenverarbeitung auf 11 600 Quadratmetern. Im gleichen Monat begannen wir, das vorhandene Gebäude zu einem Hotel mit Privat- und Geschäftsräumen, fünf Gästezimmern, Bibliothek, Restaurant und Versammlungsraum umzubauen. Eröffnung war am 18. Februar 2011. Die 13 Bungalows, Pool und Strandbar wurden im März 2012 fertig.“
  „13 Bungalows auf sieben Rai! Ist das nicht Platzverschwendung?“
  • „Wir wollen den Gästen ein möglichst ursprüngliches Thailand, abseits des Massentourismus nahebringen. Ein zugebauter Strand wäre das Gegenteil davon.
  „Woher kommen die Gäste?“
  • Wir sprechen Thais und Ausländer an. Zuerst hatten wir 80 Prozent Thais, aber das Verhältnis ändert sich langsam. Es sollte sich im Laufe der Zeit bei 50:50 einpendeln, was perfekt wäre.
  „Wie kommen Sie an die Kunden?“
  • „Wir sind auf einschlägigen Webseiten zu finden, wie booking.com. Gelegentlich schalten wir direkte Werbung. Am liebsten ist es uns natürlich, wenn wir weiterempfohlen werden.“
  „Was für ein Aufwand ist nötig, um das auf die Beine zu stellen?“
  • „Neben meiner Tochter und mir haben wir einen Koch, der dreizehn Jahre in einem Fünf-Sterne-Hotel in Samui gearbeitet hat, eine Köchin, eine Hilfsköchin, eine Buchhalterin und Sekretärin, sechs Bedienungen, einen Gärtner, einen Nachtwächter, einen Handwerker sowie drei Hausmädchen, von denen eine ausgebildete Krankenmasseurin ist, die im Resort auch Massagen gibt.“
  „Über den Daumen gepeilt pro Zimmer ein Angestellter … und das in Zeiten des Mindestlohns von 300 Baht pro Tag…“
  • „Ja, der neue Mindestlohn hat uns geschockt. Die Gehälter der qualifizierten Mitarbeiter mußten ja auch entsprechend erhöht werden. Fast alle unsere Mitarbeiter stammen aus der Umgebung. Wir arbeiten wie in einem Familienbetrieb zusammen. Das gute Betriebsklima ist ein Kapital, das nur mit zufriedenen Leuten erhalten bleibt. Die Schmerzgrenze ist aber erreicht. Neueinstellungen sind vorerst nicht mehr drin.“

*

Leider hat es einen Grund, daß nur wenige Langnasen nach Songkhla finden: Die Verkehrsanbindung ist, abgesehen von den Straßen zur nahen Grenze, nur von Bangkok aus gut. Es gibt komfortable Nachtzüge und mehrere Flüge pro Tag aus der Hauptstadt nach Hat Yai. Es gibt aber weder Flüge aus Phuket noch aus Samui oder Pinang. Und nur einen pro Tag aus Kuala Lumpur. Wer mit Bus oder Zug aus anderen Urlaubsregionen kommt, ist mindestens einen Tag unterwegs.

Andererseits genossen wir gerade deshalb den Aufenthalt: Der Strand erinnerte mich tatsächlich an meinen ersten Aufenthalt in Samui vor über 30 Jahren: Kein Laut störte das Rauschen der Wellen und niemand verkauft etwas… Frühmorgens liefen ein paar Leute mit Buckelrindern malerisch den Strand auf und ab. „Die führen ihre Kampfbüffel aus, um sie fit zu halten“, sagte man uns. Abgesehen von dieser halben Stunde am Tag hatte das überschaubare Häuflein der Resortgäste den Strand immer für sich.

Mit Uwe als Führer erkundeten wir die Umgebung. Sicher bietet die Provinz noch viel mehr, aber auch das, das wir in nur vier Tagen sahen, beindruckte.  – Beispiele:

Nam Tok Tong Nga Chang („Elefantenstoßzähne-Wasserfall“): 24 Kilometer westlich von Hat Yai an der Nationalstraße 4 rauscht eine Kaskade von insgesamt sieben Wasserfällen über tausend Meter tief ins Tal. Will man sie alle sehen, braucht man einen Tag und Bergschuhe. Uns reichte der Teil unweit des Parkplatzes mit Restaurant, der aus zwei Strömen besteht, die – daher der Name – parallel wie ein paar Elefantenstoßzähne nebeneinander den Abhang hinunterstürzen.
  • Tang Kuan Hügel: Songkhlas Wahrzeichen mit dem Phrathat Chedi Luang auf der Spitze befindet sich in Songkhla hinter dem Samila Strand, nahe der Fähre. Kaum jemand läuft die Treppe von einer Sala zur Stupa hinauf. Auch wir fuhren per Lift auf über 100 Meter Höhe und genosen bei einem Eis die Aussicht auf den See und aufs Meer zu den Inseln Maeo und Nu (Katze und Maus). Auf dem Hügel gab es schon vor Jahrhunderten eine Stupa; die jetzige und ein Leuchturm daneben wurden im 19. Jahrhundert neu errichtet.
  • Volkskundemuseum: Diese hervorragend präsentierte Attraktion befindet sich auf der durch Brücken mit dem Festland verbundenen Insel Yo im „Binnenmeer“ Thale Sap. Sie wird vom Institut für Südthailändische Studien unterhalten, einem Ableger der Sinakharinwirot Universität. Die Ausstellungsgegenstände sind auch in verständlichem Englisch ausführlich beschriftet, was in hiesigen Museen nicht selbstverständlich ist. Wir kamen an einem Werktag und wurden nicht nach Eintrittskarten gefragt, wahrscheinlich, weil wir zu Fuß den Hügel hinaufstiegen. Offiziell gelten diskriminierende Langnasenpreise, die wir grundsätzlich nie und nirgends zahlen (wenn wir es bemerken…), sondern dann auf den Eintritt verzichtet hätten. Der Fußweg führt in gemütlich zu laufenden Serpentinen an Lehrgebäuden und zahlreichen interessanten Beschreibungen vorbei. Oben kommt man „von hinten“ an und berührt den Haupteingang nicht, der allerdings ohnehin gar nicht besetzt war und offenstand.
  Ich saß zur Mittagszeit ungefähr eine Stunde in der klimatisierten Bibliothek, schmökerte in interessanten Büchern, und notierte mir einige Titel und Inhalte, ohne in dieser Zeit eine Menschenseele zu erblicken: In Songkhla, wie in jeder wirklichen Provinz, ist die Welt noch in Ordnung.
  • Wat Klang: Wir suchten geschlagene zwei Tage nach den Rüsi Dat Ton und klapperten, bis wir die fanden, drei ebenfalls interessante Tempel ab. Darunter ein echter Waldtempel weit außerhalb der Stadt mit einem einzigen anwesenden Mönch (von dreien, die es dort geben soll) und das Wat Don Yae, in dem die südliche Schule der Thai Massage gelehrt wird. Dann waren wir richtig im Wat Klang mit den historischen Tempera-Gemälden mitten in der Stadt. Sie waren vage in einem Fachbuch der holden Gattin über Traditionelle Thai Medizin erwähnt worden. Die Malereien befinden sich an den Wänden und im Giebel einer Backstein-Sala.
  Vogelschutzgebiet im Thale Sap: Der riesige Brackwasser„see“ wird unter anderem zur Garnelenzucht genutzt, beinhaltet aber zugleich eines der größten Vogelschutzgebiete Thailands. Unser Ausflug per Boot kostete alles in allem unter 500 Baht und bot zehnfach mehr als eine mindestens doppelt so teure Khlongfahrt in oder um Bangkok. Es war der Höhepunkt unserer Reise. Man kann die Eindrücke, die sich bis zum Sonnenuntergang auf dem See ergaben, nicht beschreiben, man muß es erleben.

Das Ao Thai Resort ist das einzige Strandhotel in Sathing Phra auf der Landzunge nördlich von Müang Songkhla:
Ao Thai Resort & Restaurant
63/2 Mu 1 Bodan Sathing Phra, Songkhla 90190
www.aothairesort.com
Ruf: +66-876 312 461, office[ät]aothairesort.com
Wegbeschreibung: Das Resort liegt an der Nationalstraße 408. Von Norden her findet man es einen Kilometer nach dem Sathing Phra Krankenhaus links, von Süden her erreicht man es einen Kilometer nördlich des Wat Suwannaram und der Wat Phasukawat Schule rechts.

Uwe Welschinger, der beneidenswert gut Thai spricht, holt die Gäste am Bahnhof in Hat Yai oder am Flughafen ab und ist ein wandelndes Lexikon, was die Ausflugsziele rund um das Resort und in der Region betrifft. Freundliche Gäste (andere erlebten wir hier nicht) können sich vom Resort aus an einer der Sehenswürdigkeiten absetzen und später wieder abholen lassen. Das klappte hervorragend bei unserem Besuch im Volkskundemuseum und bei der Bootstour auf dem Thale Sap. Der o. g. Wasserfall kann schon auf dem Weg vom Flughafen besucht werden.

Ansonsten genießt man hier am besten den noch fast unberührten Strand, die Ruhe, das gute Esssen und den Swimmingpool. Das Resort hat eine geräumige Bibliothek mit interessanten, auch deutschsprachigen Büchern und ebenso kann man hier, wenn das Internet funktionert, auch ohne eigenen Klapprechner seine E-Mails lesen. Wem das nicht reicht, läßt sich eine Massage auf der Terasse geben.
 
So stellt man sich Thailand vor, wenn man Postkarten und Prospekten glaubt … doch hier ist es, anders als inzwischen leider an vielen überlaufenen Orten im Land, tatsächlich noch so: Urlaub wie im Bilderbuch.