Majestätsbeleidigung gegen einen seit 400 Jahren toten König? Gibt es in Thailand Grenzen der Unberührbarkeit?

steer. Bangkok. Sulak hatte sich in einem Seminar augenscheinlich auf neue Forschungen über Naresuan "den Großen" bezogen und, wenn auch ohne Nennung der Quelle, darauf hingewiesen, daß der als Held verehrte Kriegsherr nach den meisten Berichten eher ein grausamer Despot gewesen sein könnte. Jedenfalls kommt man zu dem Schluß, wenn man andere Quellen als die offiziellen „Königlichen Chroniken von Ayutthaya“ liest.

Sulak wies darauf hin, daß Naresuan in ausländischen zeitgenössischen Berichten als „grausam, böse, egoistisch und feige“ geschildert wird. Auch sei es wohl eher unwahrscheinlich, daß ein heldenhafter Zweikampf mit dem birmanischen König 1593 so stattgefunden hat, wie er in Thai-Schulbüchern steht.

Näheres dazu unter diesem Link: Kann wahre Geschichtsschreibung Majestätsbeleidigung sein?

Ein paar Tage nach dem Vortrag des 82jährigen Sulak liefen eifernde Monarchisten offenbar in die nächste Polizeistation, um Sulak wegen Majestätsbeleidigung anzuzeigen. Das Verfahren wurde offenbar tatsächlich angenommen, denn der Historiker Phiphat Krachaechan, der die Veranstaltung am 5 October 2014 organisiert hatte, wurde inzwischen von der Polizei dazu verhört.

Interessant ist an der Angelegenheit vor allem folgendes: Sulak hatte in seinem Vortrag keine Quelle genannt. Diese ist offenbar auch den eifernden Royalisten nicht bekannt, die Sulak wegen Mayestätsbeleidigung angezeigt haben.

Das könnte aber noch zu weiteren Verwicklungen führen, denn die Quelle für die neuen Forschungen über König Naresuan ist ein das angesehendste wissenschaftliche Periodicum des Landes, das seit 1905 unter königlicher Schirmherrschaft herausgegeben wird. Und im Vorstand, der letztlich als verantwortlicher Herausgeber fungiert, sitzen bis heute zahlreiche Verwandte der königlichen Familie.

Ausführlich hier: http://www.phakinee.com/naresuan-nong-sarai-sulak-sivaraksa/