Von Hochstaplern und Putschisten in Thailand

steer Hamburg. Der TIP-Kolumnist Hans Michael Hensel beschäftigt sich seit Jahren mit den "auffällig vielen Hochstaplern", die in Thailand lebten und leben. Im Anschluß an die HGT-Jahreshauptversammlung, die im Asien-Afrika Institut der Universität Hamburg am Samstag, 9. Mai, um 14 Uhr beginnt, stellt er um 15.30 Uhr einen der faszinierendsten von ihnen, den Kärntner Anton Payer (1853-1883) vor.

Anton Payer war Sohn eines Schuldirektors. Nach seinem Studium und einer kurzen Tätigkeit als Lehrer meldete er sich freiwillig beim k.u.k. Militär, von dem er kurz darauf wieder desertierte. Nach seiner Flucht über Berlin und Hamburg gelangte er auf einen Frachter nach Siam, arbeitete zunächst als Kaufmannsgehilfe in Bangkok und brachte es bis zu einer Anstellung im Umfeld des königlichen Hofs. Er ging in ein Kloster, wurde Buddhist, mied zunehmend den Kontakt zu Europäern und nahm die siamesische Staatsbürgerschaft an.

Bis heute kann man in Personenlexika nachlesen, daß sich Payer in Siam große Verdienste um die Einführung eines Volksschul- und Wehrgesetzes nach österreichischem Muster erworben und sogar eine Tochter des Königs geheiratet hätte.

1883 hielt Payer in Europa aufsehenerregende Vorträge über Siam, bei denen er in sehr exotischer Kleidung auftrat und überlies dem Naturhistorischem Hofmuseum in Wien eine wertvolle Sammlung seltener Bücher und Schriften sowie Kleider aus Siam. Kurz danach erschoß er sich in einem Hotel mit einem Revolver. Hensel versucht in seinem Vortrag, dem wirklichen Anton Payer auf die Spur zu kommen.

Im Anschluß an diesen Vortrag, ab 16 Uhr, spricht der ehemalige Bundestagsabgeordnete und FDP-Politiker Jürgen Koppelin über Monarchie und Demokratie in Thailands Gegenwart und Zukunft.

In der Ankündigung heißt es:

Immer wieder Militärputsch, Kriegsrecht, Ausgangssperre, Verbot von Parteien, der Einfluß des ehemaligen Ministerpräsidenten Thaksin aus dem Exil. Unversöhnliche Rot- und Gelbhemden. Thaksins Schwester Yinglak als Premier abgesetzt und angeklagt. Braucht Thailand ein Amnestiegesetz? Wo steht das Königshaus? Wie steht es um die Monarchie? Können kommende Wahlen zur Demokratie zurückführen?

Auf die Diskussion darf man gespannt sein. Beide Vorträge finden im Raum 120 des Asien-Afrika Instituts statt. Gäste sind nach dem Ende der Jahreshauptversammlung ab 15.30 Uhr willkommen. Der Eintritt ist frei. (Adresse: Asien-Afrika Institut der Universität Hamburg, Edmund-Siemers-Allee 1, in unmittelbarer Nähe des IC-Bahnhofs Hamburg-Dammtor und des Grand Elysée Hotels.)