Sieben Millionen Jugendliche könnten eine entscheidende Kraft bei den Wahlen sein

Sieben Millionen Jugendliche könnten eine entscheidende Kraft bei den Wahlen sein

Bangkok. In diesem Jahr sind rund sieben Millionen Jugendliche bei den Wahlen im März zum ersten Mal wahlberechtigt. Das sind rund 14 % von einer Wählerschaft von etwa 50 Millionen Wahlberechtigten. Die Politiker sind sich einig, dass die sieben Millionen wahlberechtigten Jugendlichen eine entscheidende Kraft bei den Wahlen im März sein könnten.

In Thailand wird seit der Machtergreifung durch das Militär zum ersten Mal seit dem Putsch von 2014 wieder gewählt. Das Votum für den 24. März könnte von den jungen Leuten beeinflusst werden, sagen Analysten und Politiker. Viele der Jugendlichen sind neu politisiert und auf eine Art und Weise aktiv geworden, die selten gesehen wurde, seit die staatlichen Kräfte die Studentenbewegungen der Demokratiebewegung in den 70er Jahren niedergeschlagen hatten. Die Wahlbeteiligten im Alter von 18 bis 35 Jahren machen inzwischen etwas mehr als ein Viertel der Wählerschaft von etwa 50 Millionen aus.

Der 20-jährige Aktivist Parit Chiwarak stand auf der Treppe vor dem Auditorium seiner Universität und führte eine Protestaktion vor Hunderten von Menschen aus, die die Beendigung der herrschenden Militärjunta in Thailand forderten.

“ Das Militär soll die Bürger und das Land  schützen, und nicht gegen die Menschen im eigenen Land kämpfen“, rief er den Studenten zu, die sich diesen Monat vor der Thammasat Universität, einer der renommiertesten Universitäten Thailands, versammelt hatten.

“ Wir wollen Wahlen“, sagten sie. Viele von ihnen winkten dabei ihren Fans mit Herzen zu, auf denen “ Love Democracy “ zu lesen war.

Es ist zwar nicht klar, auf welche Art und Weise die Jugendliche abstimmen werden. Viele Jugendliche sagten bisher jedoch nicht, dass sie die Junta und die vom Militär unterstützten Parteien, die gebildet wurden, um die Wahl zu bestreiten, nicht bevorzugen werden.

Junge Thais gelten seit Jahren als politisch apathisch. Viele sagen, sie seien durch jahrelange lähmende Protestaktionen der beiden rivalisierenden Gruppierungen Thailands, der sogenannten Rothemden “ Red Shirt „, den Loyalisten des Ex Premierministers Thaksin Shinawatra und der Einrichtung der Gelbhemden “ Yellow Shirt “ für militärische und königliche Gruppen abgewiesen worden.

Fast fünf Jahre direkte Militärherrschaft haben jedoch zu einer kleinen, aber entschlossenen Bewegung junger Menschen geführt, die jetzt zu Veränderungen aufruft.

„ die jungen Leute sind heute nicht mehr so wie früher. Wir sind politisch engagierter und eine große Wählerbasis “, sagte der 22-jährige Studentenaktivist Netiwit Chotiphatphaisal.

„ Dies ist eine äußerst wichtige Wahl für uns. Es ist weitaus mehr als ein Übergang von Politikern. Die Wahlen sind ein Zeugnis dafür, ob wir weiter eine Diktatur akzeptieren, die ein Leben und auch der Tod für unsere Zukunft bedeuten kann “.

Sieben Millionen Jugendliche könnten eine entscheidende Kraft bei den Wahlen sein

Sieben Millionen Jugendliche könnten eine entscheidende Kraft bei den Wahlen sein

Eine Umfrage des Instituts von König Prajadhipok im Dezember ergab, dass 90 Prozent der befragten jungen Wähler im Alter von 18 bis 24 Jahren bei den nächsten Wahlen wählen würden. Das ist eine deutliche Abweichung von der bisher üblichen Weisheit, dass die thailändischen Jugendlichen gegenüber der Politik apathisch sind und nicht unbedingt an den Wahlen teilnehmen wollen.

Im Vergleich dazu sind nur 37,9 Prozent der Thais im Alter von 15 bis 25 Jahren der Meinung, dass sie vor der letzten Wahl Thailands 2010 „ ziemlich interessiert oder sehr interessiert “ waren.

“ Junge Menschen erzeugen Wellen und sind politisch aufgeweckt „, sagte Herr Anusorn Unno, ein Dozent an der Thammasat Universität.

Ein Großteil des studentischen Aktivismus konzentrierte sich bisher hauptsächlich auf Wahlen und brachte keine direkte Unterstützung für eine der Parteien.

Eine neue politische Partei appelliert direkt an die Jugendabstimmung als Teil ihrer Plattform. Die Future Forward Partei, angeführt von dem charismatischen Erben eines Automobilherstellers, verspricht eine neue Art von Politik, die das Militär schwächt und über die rot-gelb-Konflikte hinausgehen will.

„ Die jungen Leute sind in einer höchst gespaltenen Gesellschaft aufgewachsen. Sie sehen das nicht als neues Normal an; Sie suchen einen Ausweg und sie streben dabei nach einer Veränderung in der Politik “, sagte der Parteichef Thanathorn Juangroongruangkit, der mit 40 Jahren mindestens zehn Jahre jünger ist als die voraussichtlichen Kandidaten anderer großer Parteien, die schon alle in ihren 50ern und 60ern Jahren sind.

Die Future Forward Partei, die fast ausschließlich aus jungen Progressiven besteht, die bisher noch keinerlei Erfahrung in der Politik haben, kämpft gegen die linke Politik, einschließlich der Abschaffung der obligatorischen Wehrpflicht für junge Männer und der Beendigung der wirtschaftlichen Monopole für wohlhabende Familien.

Auch die Jugend ist an zwei der größten etablierten Parteien interessiert, die in etwa mit den Rivalen Rothemden “ Red Shirt “ und Gelbhemden “ Yellow Shirt “ in Verbindung stehen, die im letzten Jahrzehnt auf die Straße gegangen sind.

Für die Pheu Thai Partei, die seit 2001 alle Wahlen gewonnen hat und mit den Rothemden verbunden ist, gibt es weit verbreitete Hinweise und Kommentare in den sozialen Medien über ihren möglichen Kandidaten für den Premierminister Herrn Chatchart Sittiphan. Er wird als „The Hulk „ unter anderem in Bezug auf die Popkultur dargestellt.

Ein anderer prominenter Kandidat der Pheu Thai Partei, der langjährige Politiker Sudarat Keyuraphan, nimmt häufig seine jugendliche Tochter auf Kampagnenreisen mit.

Die rivalisierende Demokratische Partei, deren Opposition gegen Thaksin von der Gelbhemden Bewegung unterstützt wurde, wirbt auch stark für den “ New Dem “ -Flügel junger Politiker, darunter den 26-jährigen Neffen des Parteichefs, Parit Wacharasindhu, der ebenfalls in seinen Reden versprach, mehr Jugendliche in die Partei mitzubringen.

Laut den thailändischen Medien soll sogar der Junta Führer Prayuth Chan o-cha ein paar junge Fans haben, obwohl sie schwerer zu finden sind, sagen seine Kritiker.

“ Er ist offensichtlich nicht korrupt wie die früheren Regierungen „, sagte der 27 Jahre alte Penumpai Phumxusri, über den ehemaligen General Prayuth.

In den letzten Jahrzehnten wurde der Aktivismus der jugendlichen in Thailand immer wieder gedämpft, der vor allem auch durch das gewaltsame Vorgehen gegen die Studentenaufstände in den 70er Jahren geprägt wurde.

Am 6. Oktober 1976 griffen Staatskräfte und royalistische Mobs eine Gruppe von etwa 2.000 Studenten an der Thammasat-Universität an und töteten dabei Dutzende Studenten. Die Jugendlichen wurden dabei beschuldigt, mit linksradikalen Revolutionen zusammen zu kämpfen, die zu dieser Zeit durch die Region fegten.

Nun haben mehrere Jugendaktivisten die Junta eindeutig als “ Diktatur “ bezeichnet. Es werden kleine Protestaktionen abgehalten und satirische Karikaturen für das Militär wurden in den sozialen Medien und als Straßenkunst veröffentlicht.

Letztes Jahr im Oktober veröffentlichte eine Musikgruppe namens „ Rap Against Dictatorship „ einen Song, der auf YouTube rund 54 Millionen Aufrufe erzielte. In den Texten wurde Thailand als ein Land bezeichnet, „in dem das Land nur noch das Wohnzimmer des Militärs ist „. In nur wenigen Tagen stürmte der Song an die Spitze der iTunes Download Liste in Thailand.

Dazu kam, dass eine wachsende Zahl von Politikern und Prominenten die „Rap gegen Diktatur „ ( RAD ) Gruppe öffentlich unterstützte. Die Polizei war offensichtlich ratlos und ein Senior Polizist erklärte dazu am 30. Oktober 2018, er sei sich nicht sicher, ob die Leute den Rap Song „ Prathet Ku Mee “ teilen können oder nicht.

Jugendliche, die sich speziell in den sozialen Medien auskennen, haben ihre Frustration auch im Januar 2019 mit einem Hashtag zu Twitter gebracht, der grob als “ keine weitere verdammte Verzögerung “ übersetzt wurde, als die Junta sagte, dass ein Wahltermin vom 24. Februar erneut verschoben werden würde.

“ Ich habe im letzten Jahr viele Veränderungen bei den Jugendlichen gesehen, wie beim Rap-Song und beim Hashtag. Diese Reaktionen zeigen deutlich, wie sehr sie mittlerweile ihre Rechte und ihre Freiheiten schätzen „, sagte Herr Anusorn, ein Dozent an der Thammasat Universität.

“ Wenn die Umfragen im März stattfinden, werden die jungen und insbesondere die neuen Wähler in großer Zahl auftauchen „, fügte er weiter hinzu. „ Sie sind einfach müde von der Herrschaft des Militärs in Thailand „, betonte er.

 

  • Quelle: The Nation, Pattaya One News