Immer mehr Reisbauern vertreiben ihren Reis über die sozialen Netzwerke

Immer mehr Reisbauern vertreiben ihren Reis über die sozialen Netzwerke

Bangkok. Dass die globalen Preise für Reis in den letzten Wochen immer weiter gefallen sind, dürfte mittlerweile alle Reisbauern am eigenen Leib und vor allem auch in der eigenen Geldbörse schmerzhaft bemerkt haben. Die Reisbauern sind verzweifelt und einige versuchen nun, sich selber aus der Patsche zu helfen.

Nachdem Anfangs nur wenige Bauern damit begonnen haben, ihren Reis auch auf den sozialen Netzwerken direkt an den Endverbraucher zu verkaufen, ziehen nun immer mehr Farmer nach, und versuchen ebenfalls ihren Vertrieb über die sozialen Netzwerke anzukurbeln.

Das macht sich vor allem auf der in Thailand beliebten und vielbesuchten Webseite Facebook bemerkbar. Die Reisfarmer meiden die traditionellen Zwischenhändler und Mittelsmänner und bieten nun ihren Reis direkt über die sozialen Netzwerke dem Endverbrauer an.

Der Grund ist relativ einleuchtend und einfach zu verstehen. Die Mittelsmänner, die bisher den Reis in großem Stil aufgekauft haben, zahlen bei weitem nicht mehr den Preis, den sich die Bauern bei ihrer Ernte noch erhofft hatten. Natürlich kann man verstehen, dass die Mittelsmänner und die Reisaufkäufer den Reis nicht zu ihrem Vergnügen horten sondern unterm Strich daran kräftig mitverdienen wollen. Der Reisbauer, der die ganze Arbeit und das Risiko einer erfolgreichen Ernte alleine trägt, bleibt dabei wie gewohnt auf der Strecke.

Dass soll sich jetzt ändern und die ersten Versuche von einigen Reisbauern, ihren Reis direkt über die sozialen Netzwerke an den Endverbraucher zu verkaufen, sehen vielversprechend aus und ermuntern weitere Erzeuger ebenfalls dazu, den Schritt über die sozialen Netzwerke zu wagen.

Die 33 Jahre alte Frau Nim Inthasorn, eine Reisfarmerin aus der nordöstlichen Provinz Kalasin hat bereits im Oktober damit begonnen, ihren Reis auf ihrer Facebook Seite direkt an den Endverbraucher zu verkaufen.

Wie sie den Medien stolz berichtet, hat sie, seit dem sie ihren Verkauf über Facebook gestartet hat, bereits Aufträge für mehr als 50 Tonnen Reis erhalten.

„Natürlich würde ich meinen Reis gerne solange behalten, bis die Preise wieder gestiegen sind“, gibt sie zu. „Aber das kann ich mir nicht erlauben. Meine Familie braucht das Geld jetzt und deswegen ist der Verkauf unseres Reises das einzige, was ich im Moment tun kann“.

Ihre Familie pflanzt seit Jahren den beliebten Jasmin Reis an und würde im Moment, wenn sie diesen Reis an die Reismüller weiter verkauft, nur rund 7 Baht (ca. 0,18 Euro) pro Kilo erhalten. Auf Facebook dagegen bekommt sie für ihren Jasmin Reis, je nach abgenommener Menge, zwischen 23 bis 34 Baht pro Kilo (0,59 bis 0, 87 Euro). Da muss man nicht lange nachrechnen, wem sie ihre Reisernte wohl lieber verkauft.

Herr Pisanu Sangyoo, ein Analyst der Vereinigung der Reis-Exporteure ist jedoch skeptisch und hält es eher für unwahrscheinlich, dass sich dieser Trend, im Vergleich zu den bisher üblichen Methoden, auf lange Sicht bei allen Reisfarmen durchsetzen wird. Nur ein Bruchteil der Farmer ist mit den sozialen Netzwerken vertraut und hat auch tatsächlich die Möglichkeit, seinen Reis online dem Endverbraucher anzubieten.

„Die meisten Bauern sind immer noch auf die Reismühlen und auf die auf die Geschäfte mit den Reis Exporteuren angewiesen“, gibt er zu bedenken. Für den „Otto-Normal“ Bauern dürfte es schwierig sein, direkt mit den Reisexporteuren ins Geschäft zu kommen, da die Exporteure ihre Geschäfte im Tonnen- und nicht im Kilobereich abwickeln.

Allerdings ermuntert selbst die Regierung die Farmer, ihr Getreide direkt auf der Straße oder online zu verkaufen. Wie Regierungssprecher General Sansern Kaewkamnerd letzte Woche über die Medien bekannt gab, unterstützt die Regierung die Landwirte, die ihren Reis online verkaufen wollen.

National Council for Peace and Order Chairman Gen. Prayuth Chan-ocha talks to members of the National Legislative Assembly at the Parliament in Bangkok, Thailand Monday, Aug. 18, 2014. National Legislative Assembly members are meeting to deliberate the draft of the budget bill for 2015. (AP Photo)

Nachdem auch Premierminister Prayuth Chan-o-cha die Reismühlen Betreiber und einige lokale Politiker dafür verantwortlich gemacht hatte, die Reispreise zu manipulieren und dadurch den Kurssprung nach unten verursacht zu haben, reagierte der Verband der „Executive Committee der Thai Rice Millers Association“ umgehend.

Etwa 30 Mitglieder der Vereinigung, darunter auch der Präsident des Komitees der Reismüller, Herr Manas Kitprasert, gaben am Donnerstag auf einer Pressekonferenz ihren Rücktritt bekannt. Der abrupte Rücktritt des Präsidenten und des gesamten Vorstands des Vereins führte automatisch dazu, dass alle Aktivitäten der „Executive Committee der Thai Rice Millers Association“ von einer Sekunde auf die andere gestoppt wurden.

Premierminister Prayuth musste daraufhin zugeben, dass es nicht seine Absicht gewesen war, dass Komitee zum Rücktritt zu bewegen. Prayuth sagte nach dem bekannt werden des Rücktritts der rund 30 Mitglieder des Verbands, dass es nicht sein Ziel gewesen sei, dass die Mitglieder von ihren Posten zurücktreten. Es würde einige Zeit dauern, bis man neue Personen findet, die diese Stellen der zurück getretenen Mitglieder wieder neu besetzen.

Herr Manas bestritt kategorisch die Vorwürfe, dass sich sein Verband mit den Reismüllern und einigen nicht näher genannten lokalen Politikern abgesprochen habe, um die Reispreise für den Hom Mali Reis bewusst in den Keller zu treiben.

Gleichzeitig wehrte er sich energisch gegen die weiteren Vorwürfe, dass seine Vereinigung die Regierung diskreditieren wolle.

Bei seiner Erklärung auf der Pressekonferenz am Donnerstag fügte er jedoch hinzu, dass er bereit sei die Verantwortung für die Fehler zu übernehmen. Er will die Landwirte unterstützen und ihnen helfen, die Durststrecke zu überstehen. Laut den nationalen Medien ist der Preis für den Hom Mali Reis auf den tiefsten Stand seit der letzten zehn Jahre gesunken.

Reispreis der letzten fünf Jahre
Reispreis der letzten fünf Jahre

 

Preise für verschiedene Reis Sorten im Oktober 2016

Reis Sorte

5 Oct 16 12 Oct 16 19 Oct 16 26 Oct 16
Thai Hom Mali Rice Grade A (crop year 2014/15) $805 $787 $771 $770
Thai Hom Mali Rice Grade A (crop year 2015/16) $760 $745 $727 $725
Thai Pathumthani Fragrant Rice $553 $542 $521 $491
White Rice 100% Grade B $378 $370 $376 $375
White Rice 5% $372 $364 $370 $369
White Rice 25% $368 $360 $365 $365
White Broken Rice A.1 Super $357 $343 $349 $348
White Glutinous Rice 10% (Major crop) $854 $808 $821 $819
Parboiled Rice 100% $386 $378 $384 $384
Unit : USD per MT (Metric Tons)