BANGKOK. Thailands führende Premierministerkandidaten liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Ernennung eines neuen Finanzministers. Die Staatsverschuldung nähert sich der gesetzlichen Höchstgrenze, was nach den Parlamentswahlen am 8. Februar Befürchtungen einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes schürt. Die Entscheidung gilt weithin als entscheidend für das Marktvertrauen, da globale Ratingagenturen bereits vor der sich verschlechternden Haushaltslage des Landes warnen. Investoren beobachten die Wahl genau, um Hinweise darauf zu erhalten, wie die künftige Regierung mit Schulden, Ausgaben und Wirtschaftswachstum umgehen wird.
Die Dringlichkeit ergibt sich aus einer schwierigen wirtschaftlichen Phase im Jahr 2025, in der sowohl Moody’s als auch Fitch Ratings den Ausblick für Thailand auf „Negativ“ herabgestuft haben. Die Staatsverschuldung liegt nun nahe der gesetzlichen Grenze von 70 % des BIP, was kaum Spielraum für zusätzliche Konjunkturmaßnahmen lässt. Gleichzeitig ist das Wachstum weiterhin schwach, was den Druck auf die neue Regierung erhöht, die Finanzen zu stabilisieren, ohne eine Herabstufung des Ratings zu riskieren.
Die drei wichtigsten Parteien, die um die Bildung der nächsten Koalition konkurrieren, verfolgen in Finanzfragen deutlich unterschiedliche Ansätze. Die Volkspartei hat ihren Wunschkandidaten noch nicht benannt, was Spekulationen darüber anheizt, dass sie einen prominenten externen Experten auswählen könnte, um das Vertrauen in ihr Wachstumsziel von 4 % jährlich zu stärken. Diese Strategie zielt darauf ab, die Märkte und Ratingagenturen von der Glaubwürdigkeit der Politik zu überzeugen.
Die Bhumjaithai-Partei hat mit der Nominierung von Ekniti Nitithanprapas als Finanzministerin einen deutlicheren Weg eingeschlagen. Die Partei setzt auf Kontinuität und Stabilität und konzentriert sich auf die Wiederbelebung ins Stocken geratener Infrastrukturprojekte sowie die Sicherung eines Wirtschaftswachstums von „3 % und mehr“ innerhalb der bestehenden fiskalischen Rahmenbedingungen. Dieser Ansatz soll die Unsicherheit während der fragilen Erholungsphase minimieren.
Die Pheu-Thai-Partei könnte ihren Vorsitzenden und Premierministerkandidaten Julapun Amornvivat, der zuvor stellvertretender Finanzminister war, erneut nominieren. Pheu Thai setzt im Wahlkampf auf ein ambitionierteres Wachstumsziel von 5 % und hat vorgeschlagen, das Mandat der Zentralbank von der Inflationssteuerung hin zum Wechselkursmanagement zu verlagern – ein Plan, der von Ökonomen und Investoren kritisch hinterfragt wird.

Unabhängig vom politischen Ausgang bleiben die fiskalischen Risiken akut. Dr. Athiphat Muthitacharoen von der Chulalongkorn-Universität warnte, dass Thailands Zinsquote 11 % erreicht habe und damit nahe an der von Ratingagenturen verwendeten 12-%-Marke für die Einstufung in ein Investment-Grade-Land herangezogen werde. „Sollte die Zinsbelastung im nächsten Jahr die 12-%-Grenze erreichen, wird der Druck für eine formelle Herabstufung der Kreditwürdigkeit enorm steigen“, sagte er.
Die Zeitung „The Nation“ berichtete, dass die Ernennung des nächsten Premierministers politische Autorität mit internationaler Glaubwürdigkeit in Einklang bringen müsse. Der ausgewählte Finanzminister werde die Aufgabe haben, skeptische internationale Organisationen davon zu überzeugen, dass Thailand seine Einnahmen und Ausgaben im Griff habe. Die Entscheidung werde ein wichtiges Signal dafür sein, ob das Land seine Finanzen stabilisieren und einen weiteren Vertrauensverlust der Investoren in den kommenden Monaten verhindern könne.
Wichtigste Erkenntnisse
- Thailands nächster Finanzminister wird eine entscheidende Rolle bei der Abwendung einer möglichen Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes spielen.
- Die Staatsverschuldung, die sich der Grenze von 70 % des BIP nähert, und ein Zins-Einnahmen-Verhältnis von 11 % haben die Besorgnis am Markt verstärkt.
- Die politischen Parteien bieten gegensätzliche Strategien an, von Kontinuität über Reformen bis hin zu externer Expertise.
- Quelle: ASEAN Now, The Nation Thailand