BANGKOK. Ein ehemaliger stellvertretender Regierungssprecher hat nach einem aufsehenerregenden Unfall, bei dem eine erhebliche Diskrepanz bei der Berechnung der Fahrzeuggeschwindigkeit auftrat, erneut Bedenken hinsichtlich der thailändischen Standards für forensische Untersuchungen geäußert. Die Angelegenheit hat die öffentliche Aufmerksamkeit verstärkt, nachdem das Gericht entschieden hatte, dass die Gutachten ausländischer Sachverständiger „das größte Gewicht“ hätten, was erhebliche Mängel in den inländischen forensischen Verfahren aufzeigt. Die widersprüchlichen Daten haben Fragen nach Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Transparenz in Fällen von nationalem Interesse aufgeworfen.
Die Akte enthält zwei deutlich voneinander abweichende Geschwindigkeitsschätzungen, die im Laufe der Ermittlungen vorgelegt wurden. Die erste, gestützt auf einen Verkehrsexperten mit über 30 Jahren Erfahrung, einen gerichtlich bestellten Geschwindigkeitsspezialisten und Dr. Saiprasit, der bereits zuvor mit dem Fall befasst war, bezifferte die Geschwindigkeit des Fahrzeugs auf „nicht mehr als 80 km/h“. Die zweite, berechnet von Polizeioberst Thanisit Tangchan von der forensischen Abteilung, ergab eine deutlich höhere Geschwindigkeit von 177–180 km/h. Dieser Wert wurde zunächst im frühen Verfahrensstadium verwendet.
Die extreme Diskrepanz veranlasste das Gericht, Prof. Hermann Steffan, einen international anerkannten Experten für Unfallrekonstruktion, mit der unabhängigen Überprüfung der technischen Beweise zu beauftragen. Mithilfe physikalischer Berechnungen, digitaler Rekonstruktionssoftware und realer Crashtests kam Steffan zu dem Schluss, dass die tatsächliche Geschwindigkeit zwischen 76 und 79 km/h lag, was weitgehend mit den Ergebnissen der drei thailändischen Experten übereinstimmt. Das Gericht erklärte seine Methodik für „äußerst glaubwürdig“ und die Ergebnisse für „sehr nah am tatsächlichen Geschehen“.
Das Gericht urteilte hingegen, dass die von Polizeioberst Thanisit angegebene Geschwindigkeit von 177 km/h so ungenau sei, dass sie „unzuverlässig und unzulässig“ sei. Seine spätere Neuberechnung auf 79,22 km/h nährte weitere Bedenken hinsichtlich der Ermittlung der ursprünglichen Werte und der Transparenz des Wiederaufnahmeverfahrens. Experten für Justizpolitik erklären, der Vorfall lege strukturelle Schwächen im thailändischen forensischen System offen, darunter eine übermäßige Gewichtung individueller Gutachten, das Fehlen unabhängiger Gutachterteams und die unvollständige Offenlegung der Rohdaten.

Amarin berichtete, dass der Vorfall den Druck auf staatliche Behörden erhöht, die Auswertung forensischer Beweismittel zu präzisieren und zu klären, ob Thailand bereit ist, seine Systeme auf überprüfbare, wissenschaftlich fundierte Standards umzustellen. Die Behörden sehen sich nun wachsenden Erwartungen der Öffentlichkeit an robustere Sicherheitsvorkehrungen gegenüber, um gravierende Unstimmigkeiten zu verhindern, die das Vertrauen in wichtige Ermittlungen untergraben könnten. Der Fall dürfte künftige Reformforderungen beeinflussen, da die Beteiligten klarere Verfahren und transparentere forensische Praktiken fordern.
Wichtigste Erkenntnisse
- Widersprüchliche Geschwindigkeitsberechnungen in einem aufsehenerregenden Unfallfall haben Bedenken hinsichtlich der forensischen Zuverlässigkeit in Thailand aufkommen lassen.
- Die Erkenntnisse eines ausländischen Experten stimmten mit denen dreier thailändischer Spezialisten überein und wurden vom Gericht als besonders glaubwürdig eingestuft.
- Der Vorfall hat den Druck auf strukturelle Reformen und mehr Transparenz bei forensischen Verfahren verstärkt.
- Quelle: Asean Now, Amarin