BANGKOK. In den sozialen Medien sind Zweifel an der Transparenz der Stimmauszählung in mehreren Gebieten aufgekommen, was die Wahlkommission veranlasst hat, zu klären, ob eine landesweite Neuauszählung möglich ist.
Während die Online-Wut zunimmt und Hashtags, die eine „landesweite Neuauszählung“ fordern, in den sozialen Medien im Trend liegen, hat Passakorn Siripakayaporn, stellvertretende Generalsekretärin der Wahlkommission (EC), die rechtlichen Bedingungen und den sachlichen Ablauf eines jeden Antrags auf Neuauszählung dargelegt – mit dem Ziel, ein klareres Bild jenseits des Drucks der sozialen Medien zu vermitteln.
Landesweite Neuauszählung: Erwartung versus rechtliche Realität
Zu den Forderungen nach einer Neuauszählung der Stimmen im ganzen Land betonte Passakorn, dass „alles im Rahmen des Gesetzes geschehen muss“.
Er sagte, eine Neuauszählung dürfe nicht willkürlich oder aufgrund von Online-Druck angeordnet werden. Sie müsse auf Fakten und Beweisen beruhen. Er warnte die Öffentlichkeit zudem vor einem unkritischen Umgang mit sozialen Medien und sagte: „Beim Konsum sozialer Medien sollten wir uns mitunter etwas mehr Achtsamkeit üben.“
Entscheidend sei, so betonte er, dass die Befugnis zur Anordnung einer Neuauszählung ausschließlich bei der gesamten Wahlkommission liege. Selbst Wahlkommissionsbeamte, die die Vorgänge vor Ort prüfen, hätten keine Befugnis, eine solche Anordnung eigenständig zu erlassen; sie müssten Beweise sammeln und diese der Kommission zur Entscheidung vorlegen.
„Daher ist eine landesweite Neuauszählung praktisch unmöglich, es sei denn, es gibt klare Mängel in jedem einzelnen Wahllokal, die durch Beweise untermauert werden“, sagte Passakorn.
Wichtigste Bedingungen: Wann kann eine Neuauszählung stattfinden?
Das Gesetz sieht zwei Hauptsituationen vor, in denen eine Neuauszählung in Betracht gezogen werden kann:
Die Wahlbeteiligung stimmt nicht mit der Anzahl der verwendeten Stimmzettel überein – dies wird gemeinhin als „Stimmzettelabweichung“ bezeichnet. Die Wahlkommission muss untersuchen, warum diese Diskrepanz entstanden ist und ob sie eine Neuwahl oder eine Nachzählung erforderlich macht.
Der Auszählungsprozess war fehlerhaft – beispielsweise gab es Fehler beim Ausrufen der Stimmen, bei der Strichliste, bei der Aufzeichnung oder sonstige verdächtige Unregelmäßigkeiten im Verfahren.
Die Wahlkommission kann Informationen über zwei Kanäle erhalten: formelle Einsprüche von Bürgern oder Kandidaten, die Beweise vorlegen können, und Angelegenheiten, die der Wahlkommission auffallen – wie Unregelmäßigkeiten in Videoclips oder Probleme, die bei den eigenen Kontrollen der Wahlkommission aufgedeckt werden.
Verfahren und Nachweis: das Formular „Sor Sor 5/18“ als letzte Sicherheitsmaßnahme
Passakorn erklärte, der Verifizierungsprozess sei streng und stütze sich auf unveränderliche Dokumente:
Vor Ort Einspruch erheben: Sollten während der Auszählung Unregelmäßigkeiten festgestellt werden, müssen Bürger diese unverzüglich den Wahlhelfern melden, damit sie im Vorfallsbericht der Wahleinheit festgehalten werden. Dieser Bericht gilt als wichtigstes Beweismittel für die Wahlkommission.
Abgleich mit dem Formular „Sor Sor 5/18“: Das unmittelbar nach der Auszählung vor dem Wahllokal ausgehängte Ergebnisblatt – „Sor Sor 5/18“ – gilt als unveränderlicher Nachweis. Stimmen die Zahlen im System nicht mit diesem Formular überein, verwendet die Wahlkommission das Formular „Sor Sor 5/18“ als primären Abgleich.
Sachverhaltsermittlung: Wenn Beschwerden eingehen, kann die Wahlkommission ein Untersuchungsteam beauftragen, unverzüglich Beweise und Zeugenaussagen zu sammeln – wie beispielsweise in Chonburi, wo die Wahlkommission die Beamten anwies, die Ermittlungen innerhalb von zwei Tagen abzuschließen.
Studenten unterbrechen die Unterrichtung der Wahlkommission mit „Neuauszählung“-Plakaten.

Gegen Ende der Pressekonferenz der Wahlkommission (EC) zu Wahlfragen im ganzen Land – insbesondere in der Provinz Chonburi – betrat eine kleine Gruppe von Universitätsstudenten den Raum und trug A4-Plakate mit der Aufschrift „Neuauszählung“, „Wie wurden die Wahlhelfer geschult?“ und „Landesweite Neuauszählung“.
Polizei und Sicherheitspersonal eskortierten sie hinaus, bevor sie drinnen die Schilder hochhalten konnten. Anschließend setzte die Gruppe ihren Protest draußen fort.
Ein Demonstrant, der sich nur als Pan, 22, vorstellte, sagte, die Informationsveranstaltung habe „nichts gebracht“. Er behauptete, keine ordnungsgemäßen Abläufe gesehen zu haben und der Prozess sei intransparent gewesen. Er stellte auch die Wahlbeteiligungszahlen infrage und sagte, die offiziellen Daten deuteten auf eine geringere Wahlbeteiligung als bei früheren Wahlen hin, was er angesichts seiner Beobachtungen kaum glauben könne.
Pan bezog sich auf die Aussage der Wahlkommission, die Untersuchung in Chonburi werde zwei Tage dauern, und erklärte, diese sei wenig aussagekräftig. Er argumentierte, die Wahlkommission beharre zwar darauf, dass alles korrekt abgelaufen sei, doch die Beobachtungen der Öffentlichkeit stimmten nicht mit den Behauptungen der Beamten überein.
Sollten die Ergebnisse später offiziell bestätigt werden, sagte er, würde er ihnen nicht trauen, und verwies auf ungelöste Probleme wie Stimmenkauf. Die angebliche mangelnde Transparenz sei ein noch größeres Problem.
Pan sagte, er könne eine Niederlage als Teil der Demokratie akzeptieren, aber nur, wenn die Niederlage „transparent“ sei.
Auf die Frage nach Stimmenkauf erklärte er, sein Haushalt habe Geld von zwei Parteien erhalten, weigerte sich jedoch, Beweise vorzulegen. Er verwies auf einflussreiche Persönlichkeiten vor Ort und befürchtete Repressalien. Er fügte hinzu, eindeutigere Beweise seien online frei zugänglich und forderte die Behörden auf, diesen Fällen vorrangig nachzugehen.
Er sagte, die Gruppe könne erwägen, eine rechtmäßige Versammlung unter dem Schutz der bürgerlichen Freiheiten abzuhalten.
- Quelle: The Nation Thailand