Yaba, eine Mischung aus Methamphetamin und Koffein, entstand in den 1960er Jahren als legales „Arbeitsmittel“ für thailändische Arbeiter, bevor es verboten und als „Verrücktheitsdroge“ umbenannt wurde.

Die Yaba-Krise in Thailand: Wie ein „Mühsamkeitsmedikament“ zum nationalen Notstand wurde

BANGKOK. Yaba, eine Mischung aus Methamphetamin und Koffein, entstand in den 1960er Jahren als legales „Arbeitsmittel“ für thailändische Arbeiter, bevor es verboten und als „Verrücktheitsdroge“ umbenannt wurde.

Die Krise wird durch ein immenses Angebot an billigen Pillen angeheizt, die in Laboren im industriellen Maßstab im Goldenen Dreieck Myanmars hergestellt werden, was die Strafverfolgungsbehörden überfordert und die Droge weithin zugänglich macht.

Die weit verbreitete Sucht hat einen nationalen Notstand im Bereich der öffentlichen Gesundheit ausgelöst, der Thailands unterfinanziertes Gesundheitssystem stark belastet und zeigt, dass ein auf Strafverfolgung ausgerichteter Ansatz nicht ausreicht, um ein Problem zu lösen, das in sozialen und psychischen Gesundheitsproblemen wurzelt.

Einst als Mittel zur Unterstützung von Arbeitern vermarktet, befeuert Yaba heute eine der schlimmsten Drogenkrisen Asiens – und die Strafverfolgung allein erweist sich als machtlos, sie zu stoppen.

In Städten und Gemeinden Thailands zerstört eine kleine, bunte Pille still und leise ganze Gemeinschaften. Die als Yaba – wörtlich „verrückte Droge“ – bekannten Tabletten mit Methamphetamin und Koffein haben sich zu einer der drängendsten gesundheitlichen Notlagen des Landes entwickelt und betreffen Menschen aller Gesellschaftsschichten, Altersgruppen und Regionen.

Jahrzehntelang wurde die Geschichte aus der Perspektive der Polizeiarbeit erzählt: Rekordbeschlagnahmungen, harte Grenzkontrollen und die undurchsichtige Geopolitik des Goldenen Dreiecks. Doch hinter den Statistiken verbergen sich Menschen in Krisensituationen, Familien am Rande des Abgrunds und ein Gesundheitssystem, das mit der Situation kaum noch Schritt halten kann.

Vom Tankstellenartikel zum kriminellen Handelsgut

Methamphetamin hielt in den 1960er Jahren Einzug in das thailändische Leben, nicht als Schmuggelware, sondern als legales Produkt. Es wurde unter dem Namen Ya-Khayan – der „Fleißdroge“ – verkauft und war an Tankstellen und in Läden auf dem Land erhältlich.

Für Lkw-Fahrer, Fischer und Landarbeiter war es ein praktisches Werkzeug: eine Möglichkeit, den harten Anforderungen einer industrialisierten Wirtschaft gerecht zu werden.

Die Regierung verbot es 1970, doch sein Einfluss auf bestimmte Berufsgruppen blieb bestehen. Mitte der 1990er-Jahre hatte sich das Nutzerprofil dramatisch verändert.

Eine jüngere, urbanere Generation hatte zu der Droge gegriffen – nicht aus physischer Notwendigkeit, sondern aufgrund sozialen Drucks und für einige als Mittel zur Bewältigung von Angstzuständen und emotionalem Stress.

1996 versuchten die Behörden, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, indem sie die Droge offiziell in Yaba umbenannten – ein bewusster Versuch, ihren Zusammenhang mit Psychosen und unberechenbarem Verhalten hervorzuheben. Die Stigmatisierungskampagne hatte jedoch nur begrenzten Erfolg.

Die Yaba-Krise in Thailand: Wie ein „Mühsamkeitsmedikament“ zum nationalen Notstand wurde

 

Yaba, eine Mischung aus Methamphetamin und Koffein, entstand in den 1960er Jahren als legales „Arbeitsmittel“ für thailändische Arbeiter, bevor es verboten und als „Verrücktheitsdroge“ umbenannt wurde.
Yaba, eine Mischung aus Methamphetamin und Koffein, entstand in den 1960er Jahren als legales „Arbeitsmittel“ für thailändische Arbeiter, bevor es verboten und als „Verrücktheitsdroge“ umbenannt wurde.

 

Eine Krise, die von der anderen Seite der Grenze angeheizt wurde.

Der anhaltende Zustrom von Yaba nach Thailand ist untrennbar mit dem Goldenen Dreieck verbunden – der gebirgigen Grenzregion, in der Thailand, Myanmar und Laos aufeinandertreffen.

Einst gleichbedeutend mit Opium, hat sich diese Region zu einem globalen Produktionszentrum für synthetische Drogen entwickelt. Methamphetamin ist heute das bevorzugte Produkt: billiger herzustellen, profitabler und unabhängig von saisonalen Ernten.

In den vom Konflikt geplagten Shan-Staaten Myanmars, die in Gebieten außerhalb der Regierungskontrolle operieren, werden in industriellen Laboren nahezu ungehindert Pillen hergestellt.

Die Zahlen sind erschreckend. Laut dem Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung wurden 2024 in Ost- und Südostasien rekordverdächtige 236 Tonnen Methamphetamin beschlagnahmt – ein Anstieg von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr – wobei allein die Mekong-Subregion für 200 Tonnen verantwortlich war.

Die thailändischen Behörden beschlagnahmten im selben Jahr die Rekordzahl von 139 Millionen Yaba-Pillen. Dennoch hinkt die Strafverfolgung der Produktion weiterhin hinterher. Wird ein Schmuggelweg unterbrochen, entsteht ein neuer. Eine typische Pille kostet in manchen Gegenden auf der Straße nur wenige Pence und ist somit auch für die Schwächsten erschwinglich.

Ein Gesundheitssystem unter Druck

Thailands offizielle Reaktion kombiniert strikte Strafverfolgung mit vorsichtigen Reformen im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Eine Richtlinie, die den Besitz von bis zu fünf Tabletten erlaubt – mit dem Ziel, Konsumenten von Händlern zu trennen – signalisiert einen Wandel hin zur Behandlung von Sucht als Gesundheitsproblem, obwohl die Maßnahme weiterhin überprüft wird.

Doch die Behandlungsinfrastruktur hat mit der Nachfrage nicht Schritt gehalten. Das Land verfügt über lediglich 1,28 Psychiater und 1,57 Psychologen pro 100.000 Einwohner, deutlich unter dem globalen Durchschnitt.

Die Wartezeiten für psychiatrische Behandlungen in öffentlichen Krankenhäusern können sich über Monate erstrecken. Mangels ausreichender Kapazitäten haben sich einige Familien an Entgiftungsprogramme in Tempeln gewandt – gemeinschaftsorientiert, aber ohne klinische Aufsicht oder evidenzbasierte Methoden

Ein alternatives Heilungsmodell im Norden Thailands

In den grünen Ausläufern der Berge außerhalb von Chiang Mai, etwa 30 Minuten vom internationalen Flughafen entfernt, findet eine ruhigere Diskussion über den Wiederaufbau statt.

Eine kleine Anzahl privater stationärer Rehabilitationszentren – darunter The Hills Rehab – hat sich für ein Boutique-Betreuungsmodell entschieden und beschränkt die Kapazität bewusst, um die Behandlung persönlich zu gestalten.

Der Ansatz basiert auf medizinisch überwachter Entgiftung, psychiatrischer Betreuung vor Ort und 24-Stunden-Pflege. Entscheidend ist, dass die Behandlung nicht nur den Substanzkonsum, sondern auch die zugrunde liegenden psychischen Erkrankungen – Depressionen, Angstzustände, posttraumatische Belastungsstörung – angeht, die ihm oft zugrunde liegen.

Die Behandlung von Doppeldiagnosen, also die gleichzeitige Behandlung von Suchterkrankungen und Begleiterkrankungen, gilt heute als unerlässlich für die Reduzierung von Rückfällen.

Therapeutische Programme greifen auf etablierte Methoden zurück, wie beispielsweise die kognitive Verhaltenstherapie, die Patienten dabei hilft, die Denkmuster zu erkennen, die ihren Drogenkonsum antreiben, und die dialektische Verhaltenstherapie, die Fähigkeiten zur Emotionsregulation aufbaut.

Ein strukturierter Tagesablauf – der therapeutische Sitzungen mit körperlichem Wohlbefinden, Reflexion und gemeinsamen Ausflügen in Einklang bringt – hilft dabei, die durch die Sucht zerstörten, vorhersehbaren Rhythmen wiederherzustellen.

Die Einbindung der Familie ist ebenfalls Bestandteil des Modells. Angehörige werden über das Wesen der Sucht aufgeklärt und erhalten Therapieangebote zur Verbesserung der Kommunikation und zur Wiederherstellung angespannter Beziehungen. Die Nachsorgeplanung, die vor der Entlassung abgeschlossen wird, skizziert den Weg des Patienten zurück in den Alltag.

Bestrafung allein genügt nicht.

Die Herausforderung für Thailand ist tiefgreifend. Im Goldenen Dreieck gibt es keinerlei Anzeichen für eine Produktionsdrosselung, Erfolge bei der Durchsetzung der Gesetze werden schnell durch das schiere Angebotsvolumen zunichtegemacht, und das öffentliche Gesundheitssystem ist weiterhin unterfinanziert.

Es wird immer deutlicher, dass eine Reaktion, die primär auf Bestrafung beruht, eine Krise, die in sozialem Druck, psychischer Gesundheit und wirtschaftlicher Verwundbarkeit wurzelt, nicht lösen kann.

Der Weg in die Zukunft erfordert nachhaltige Investitionen in evidenzbasierte Behandlungsmethoden – und die Bereitschaft, diejenigen, die von der Sucht befallen sind, mit der gleichen Ernsthaftigkeit zu behandeln wie andere Notlagen im Bereich der öffentlichen Gesundheit.

Referenzen

  • ● Journal of Adolescent Health – Beginn des Methamphetaminkonsums bei jungen thailändischen Drogenkonsumenten: Eine qualitative Studie
  • ● Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) – Aktuelle Situation hinsichtlich der regionalen und subregionalen Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des weltweiten Drogenproblems
  • ● Internationale Kriminalpolizeiliche Organisation (INTERPOL) – Internationale Razzia führt zur Sicherstellung synthetischer Drogen im Wert von 1,05 Milliarden US-Dollar
  • ● Vereinte Nationen – Yaba, die „verrückte Medizin“ Ostasiens
  • ● ISEAS – Thailands verlorene Jugend: Krise der psychischen Gesundheit und der Preis politischer Vernachlässigung

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Droge Yaba?

Yaba ist Methamphetamin in Tablettenform, gemischt mit Koffein. Es wird häufig in Südostasien hergestellt und gehandelt und ist für seine stimulierende Wirkung bekannt, einschließlich gesteigerter Energie, Wachsamkeit und Euphorie

Warum gilt Yaba als stark suchterzeugend?

Yaba beeinflusst stark das Dopaminsystem des Gehirns, das Freude und Motivation reguliert. Wiederholter Konsum verringert die natürliche Fähigkeit des Gehirns, Stimmung und Stress zu regulieren, was zu Toleranz, Abhängigkeit und starkem Verlangen führt.

Wie wird Yaba üblicherweise eingenommen?

Yaba wird meist zerkleinert und geraucht, kann aber auch geschluckt oder, seltener, aufgelöst und injiziert werden. Durch das Rauchen gelangt der Wirkstoff schnell ins Gehirn, was sowohl seine Wirkungsintensität als auch sein Suchtpotenzial erhöht.

Welche Gesundheitsrisiken sind mit dem Konsum von Yaba verbunden?

Der Konsum von Yaba kann Herzprobleme, Überhitzung, Paranoia, Halluzinationen, Angstzustände und aggressives Verhalten verursachen. Langfristiger Konsum wird mit kognitiven Beeinträchtigungen, Zahnschäden, Mangelernährung und schweren psychischen Erkrankungen wie Psychosen und Depressionen in Verbindung gebracht.

Lässt sich Yaba-Sucht wirksam behandeln?

Ja. Die Behandlung umfasst in der Regel eine gegebenenfalls ärztlich überwachte Entgiftung, gefolgt von einer strukturierten Therapie zur Behandlung der psychischen Abhängigkeit und zugrunde liegender psychischer Erkrankungen. Evidenzbasierte Ansätze wie die kognitive Verhaltenstherapie und traumafokussierte Therapien werden häufig in Rehabilitationsprogrammen eingesetzt.

Wo kann man in Südostasien professionelle Hilfe bei Yaba-Abhängigkeit erhalten?

Spezialisierte Suchtbehandlungszentren in Südostasien bieten umfassende Betreuung bei Stimulanzienabhängigkeit. Beispielsweise bietet die Klinik „The Hills Rehab Chiang Mai“ in Thailand bei Bedarf medizinisch überwachte Entgiftung, evidenzbasierte Psychotherapie, traumasensible Betreuung und individuelle Genesungsplanung in einem privaten Wohnumfeld. Die Inanspruchnahme professioneller Unterstützung erhöht die Wahrscheinlichkeit einer langfristigen Genesung deutlich.

 

  • Quelle: The Nation Thailand