Die Bank von Thailand fordert die Regierung auf, der Qualität der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) mehr Bedeutung beizumessen, um langfristig höhere Wertschöpfungseffekte für die thailändische Wirtschaft zu erzielen.

Die thailändische Zentralbank (BoT) mahnt, bei ausländischen Kapitalflüssen den Fokus auf Qualität statt Quantität zu legen.

BANGKOK. Die thailändische Zentralbank (BoT) mahnt, bei ausländischen Kapitalflüssen den Fokus auf Qualität statt Quantität zu legen.

Die Bank von Thailand fordert die Regierung auf, der Qualität der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) mehr Bedeutung beizumessen, um langfristig höhere Wertschöpfungseffekte für die thailändische Wirtschaft zu erzielen.

Laut dem geldpolitischen Bericht der Zentralbank für das erste Quartal 2026 hat Thailand bemerkenswerte Fortschritte bei der Anwerbung von ausländischen Direktinvestitionen erzielt; die Zuflüsse erreichten im Jahr 2025 einen Rekordwert von 18,8 Milliarden US-Dollar.

Die ausländischen Direktinvestitionen lagen in den letzten fünf Jahren um das 1,8-Fache höher als in den fünf Jahren vor der Pandemie.

Ein wesentlicher Treiber war die rasante Expansion des Informations- und Kommunikationstechnologie-Dienstleistungssektors, insbesondere der Rechenzentren, wo die Investitionen im Vergleich zum Niveau vor der Pandemie um das 50-fache gestiegen sind.

Der Trend steht im Einklang mit den allgemeineren Entwicklungen in Südostasien.

Die Investitionsmuster in Thailand ähneln stark denen in Malaysia, mit starken Zuflüssen in die Bereiche Elektronik und Dienstleistungen, während Indonesien weiterhin vor allem rohstoffbasierte Branchen wie die Metallindustrie anzieht.

„Thailands Wettbewerbsfähigkeit bei der Anwerbung von ausländischen Direktinvestitionen hinkt jedoch im Vergleich zu einigen regionalen Konkurrenten noch immer hinterher und belegt nach Singapur, Vietnam und Malaysia den vierten Platz in der Region“, heißt es in dem Bericht.

Singapurs außergewöhnlich hohes Verhältnis von ausländischen Direktinvestitionen zum BIP spiegelt seinen Status als globales Finanzzentrum wider, während Vietnam und Malaysia von wettbewerbsfähigeren Arbeitskosten, stärkeren regulatorischen Rahmenbedingungen und einer höheren institutionellen Qualität profitieren.

Obwohl Thailands Verhältnis von ausländischen Direktinvestitionen zum BIP von 1,7 % im Zeitraum vor der Pandemie (2015–2019) auf 2,7 % im Zeitraum 2021–2025 gestiegen ist, mehren sich laut Zentralbank die Bedenken hinsichtlich der Qualität der ausländischen Direktinvestitionen und ihres Beitrags zur inländischen Wertschöpfung.

„Investitionen in neue Branchen, insbesondere in die Elektronik-, Maschinenbau- und Automobilindustrie, generieren tendenziell eine relativ geringe inländische Wertschöpfung, da ausländische Unternehmen zunehmend auf importierte Vorprodukte und Komponenten angewiesen sind. Im Elektroniksektor stammt mehr als die Hälfte des Produktwerts aus Importen“, heißt es in dem Bericht.

Die Zusammensetzung der ausländischen Investoren hat sich ebenfalls deutlich verändert. Vor der Pandemie stammte mehr als die Hälfte der gesamten ausländischen Direktinvestitionen in Thailand aus Japan. Nach der Pandemie ist Japans Anteil stark auf rund 12 % gesunken, während der Anteil Chinas von 12 % auf 16 % gestiegen ist.

Chinesische Investitionen konzentrieren sich stark auf aufstrebende Branchen wie die Elektromobilität, deren Lieferketten in Thailand noch in den Anfängen stecken. Daher sind diese Sektoren weiterhin stark von importierten Komponenten abhängig und unterhalten nur begrenzte Verbindungen zu lokalen Zulieferern.

Inländische Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU), stehen nach wie vor vor Herausforderungen bei der Versorgung mit spezialisierten Materialien und Vorprodukten.

 

Die Bank von Thailand fordert die Regierung auf, der Qualität der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) mehr Bedeutung beizumessen, um langfristig höhere Wertschöpfungseffekte für die thailändische Wirtschaft zu erzielen.
Die Bank von Thailand fordert die Regierung auf, der Qualität der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) mehr Bedeutung beizumessen, um langfristig höhere Wertschöpfungseffekte für die thailändische Wirtschaft zu erzielen.

 

Thailands Rolle

Die globalen Wertschöpfungsketten haben sich im letzten Jahrzehnt weiter in Richtung nachgelagerter Bereiche verlagert. Neue Investitionen konzentrieren sich größtenteils auf Midstream- und Downstream-Aktivitäten wie Montage, Prüfung und Verpackung. Wertschöpfungsintensivere Aktivitäten wie Design, Forschung und Entwicklung sowie die Produktion wichtiger Rohstoffe bleiben weiterhin begrenzt.

Diese strukturelle Situation hat Auswirkungen sowohl auf die Wertschöpfung als auch auf die Beschäftigung. Da Investitionen zunehmend kapitalintensiver werden, sind die Vorteile hinsichtlich der Schaffung von Arbeitsplätzen relativ gering, während das Kapital-Arbeits-Verhältnis weiter steigt, stellte die Aufsichtsbehörde fest.

„Obwohl ausländische Direktinvestitionen nach wie vor ein entscheidender Motor für Thailands Wirtschaftswachstum sind, sollten sich die politischen Bemühungen zunehmend darauf konzentrieren, die Qualität der Investitionen zu verbessern, anstatt einfach nur deren Volumen zu erhöhen“, heißt es in dem Bericht.

Zu den Prioritäten sollten die Verbesserung der Qualifikationen der Arbeitskräfte zur Unterstützung zukunftsorientierter Branchen, die Stärkung der Kapazitäten lokaler KMU zur verstärkten Nutzung inländischer Vorleistungen sowie die Förderung engerer Verbindungen zwischen ausländischen Investoren und lokalen Lieferketten gehören. Solche Maßnahmen seien entscheidend, damit Thailand in den kommenden Jahren in der globalen Wertschöpfungskette aufsteigen und ein nachhaltigeres, wertschöpfungsorientiertes Wachstum erzielen könne, so die Regulierungsbehörde.

 

  • Quelle: Bangkok Post