Mit Banküberfällen Leben in Pattaya finanziert

Er kam als Gentleman, im feinen Trenchcoat, trug meist eine Sonnenbrille, Handschuhe und hatte einen leeren Aktenkoffer. Als er die Banken verließ, waren zwischen 40.000 und knapp 80.000 Euro Bargeld im Koffer. Der Mann hat über Jahre hinweg die Polizei im Kreis Düren und im Rhein-Erft-Kreis beschäftigt. In Linnich und Kerpen schlug er mehrfach zu.

Nach vier Jahren konnte die Polizei den Räuber schließlich auf dem Rollfeld am Flughafen Düsseldorf kurz vor dem Abflug nach Thailand festnehmen. Am 13. Juli begann der Prozeß gegen den 52jährigen Wilhelm R., der mehrere Jahre in Elsdorf-Oberembt eine Dorfgaststätte betrieben hatte.

Als Sohn eines Fremdenlegionärs wuchs R. in Köln auf, machte den Hauptschulabschluß, brach eine Ausbildung beim Bundesgrenzschutz ab und arbeitete als Lastwagenfahrer bei einer Firma in Bergheim-Quadrath-Ichendorf.

Nachdem er mit Finanzdienstleistungen und mit seiner Kneipe Schiffbruch erlitten hatte und seine Ehe gescheitert war, wollte R. in Thailand einen Neuanfang wagen. In Pattaya wurde er Mitinhaber einer vornehmlich von deutschen Touristen besuchte Kneipe. R. mußte jedoch investieren, hatte aber kein Geld. Da beschloß er, eine Bank zu überfallen.

In der Raiffeisenbank in Linnich bedrohte er im Juni 2005 zwei Angestellte mit einer Pistole, fesselte sie, flüchtete aber ohne Beute, weil er Angst bekam. Ein halbes Jahr später schlug er in Türnich zu. Wieder hatte er sich eine Raiffeisenbank ausgeguckt, und wieder erschien er im feinen Zwirn, mit Perücke und angeklebtem Schnurrbart.

Mit einer Pistole bedrohte er die Mitarbeiterin, die am 6. November 2006 morgens um 8 Uhr den Seiteneingang zur Bank aufschließen wollte. Später fesselte er mehrere Mitarbeiter mit Kabelbinder, verletzte eine Frau dabei an der Hand und sperrt einige der fünf Angestellten in ein Büro. Nachdem eine Frau den Tresor aufgeschlossen hatte, ließ er sich etwa 67.000 Euro einpacken.

Bis zu 50 Minuten hielt er sich in den Banken auf. Daß zwischenzeitlich Kunden an die verschlossene Eingangstür klopften, störte ihn nicht. Eine Angestellte schickte der Räuber zur Tür und ließ verkünden, daß es noch einige Minuten dauern würde. Mit dem Geld verschwand R. durch den Seiteneingang.

Die Mitarbeiter leiden heute noch unter dem Vorfall. Eine Bankangestellte kann seit dem Überfall die Filiale nicht mehr betreten. Andere bekommen Angst, wenn ein Mann mit Sonnenbrille die Bank betritt, oder Schweißausbrüche, wenn sie morgens die Eingangstür aufschließen.

In Pattaya lebte R. auf großem Fuß, leistete sich ein großes Haus, zwei Freundinnen und gab gerne Lokalrunden. „Dort ist das Leben sehr preiswert“, sagte er vor Gericht.

Im September vergangenen Jahres reiste R. erneut nach Deutschland. „Mein Sohn hatte einen Schlaganfall. Ich wollte ihn besuchen“, berichtete der Angeklagte. Er habe nur noch etwa 15.000 Euro gehabt und sich entschlossen, erneut eine Bank zu überfallen.

In Linnich kannte er die Räumlichkeiten. Diesmal erbeutete er 75.000 Euro. Das reichte dem Mann aber nicht. Er fuhr nach Türnich, stand dort aber vor verschlossener Tür, weil die Sicherheitsmaßnahmen der Bank inzwischen verstärkt worden waren.

Einen Tag später wurde er festgenommen. Der Prozeß wird fortgesetzt. ksta