BANGKOK. Thailand hat eine bedeutende Chance, seine Position auf den globalen Märkten zu stärken, indem es sich auf die neuen Nachhaltigkeitsanforderungen vorbereitet, sagte Timo Menniken, Landesdirektor der GIZ Thailand, bei der Bekanntgabe der politischen Empfehlung und der Übergabezeremonie des FIT for FAIR-Projekts in Bangkok.
In seiner Rede auf der Veranstaltung betonte Menniken, dass die neuen EU-Vorschriften zu Sorgfaltspflichten und nachhaltigen Lieferketten nicht nur als Herausforderung im Bereich der Compliance betrachtet werden sollten. Vielmehr böten sie Thailand die Chance, seine Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, die Transparenz zu verbessern und sich als vertrauenswürdiger Partner im nachhaltigen Welthandel zu etablieren.
„Die Richtung ist klar“, sagte er. „Internationale Märkte erwarten zunehmend, dass Produkte mit glaubwürdigen Informationen über ihre Herkunft, über mögliche Verbindungen zur Abholzung von Wäldern und darüber, ob Menschenrechte und Arbeitsstandards entlang der gesamten Lieferkette eingehalten werden, geliefert werden.“
Das FIT for FAIR-Projekt konzentrierte sich darauf, Thailand bei der Stärkung der politischen Bereitschaft, der Rückverfolgbarkeitssysteme und der Sorgfaltsmechanismen zu unterstützen, um den sich wandelnden Nachhaltigkeitserwartungen gerecht zu werden, insbesondere in Sektoren wie Kautschuk, Palmöl und Holzprodukte, die eng mit globalen und europäischen Lieferketten verbunden sind.
Die Kluft zwischen Landwirten und globalen Märkten überbrücken
Laut Menniken ist einer der wichtigsten Aspekte von Nachhaltigkeitsvorschriften die Einbindung aller Akteure der Lieferkette in den Transformationsprozess. Dazu gehören Kleinbauern, Händler, Exporteure, Regierungsbehörden, private Unternehmen und Verbraucher auf internationalen Märkten.
Er merkte an, dass viele Landwirte die Vorschriften zur Nachhaltigkeit als komplex und schwer verständlich empfinden könnten, insbesondere wenn die Anforderungen aus weit entfernten Märkten wie der Europäischen Union stammen.
„Die Landwirte produzieren oft schon seit vielen Jahren auf dieselbe Weise“, sagte er. „Jetzt werden sie aufgefordert, zusätzliche Informationen bereitzustellen und sich an neue Erwartungen anzupassen. Die Herausforderung besteht darin, die Kluft zwischen lokalen Erzeugern und den Anforderungen des internationalen Marktes zu überbrücken.“
Sorgfaltspflichtvorschriften zielen darauf ab, Umweltschäden, einschließlich Entwaldung, zu verhindern und gleichzeitig Menschenrechte und Arbeitsbedingungen zu schützen. Sie sollen sicherstellen, dass Produkte, die auf internationale Märkte gelangen, nicht mit illegaler Landnutzung, Kinderarbeit oder anderen sozialen und ökologischen Risiken in Verbindung stehen.
Thailand wird aufgefordert, sich auf die Anforderungen für nachhaltigen Handel vorzubereiten, da das FIT-Projekt für FAIR politische Empfehlungen übergibt.
Fortschritte erzielt, Herausforderungen bleiben bestehen

Thailand verfügt bereits über viele Stärken, die die Einhaltung von Nachhaltigkeitsanforderungen unterstützen. Menniken verwies auf bestehende Datensysteme, technisches Fachwissen, staatliche Unterstützung und branchenspezifische Initiativen als Beleg dafür, dass das Land im Vergleich zu vielen anderen in der Region gut aufgestellt ist. Dennoch bestehen weiterhin Herausforderungen.
Eines der größten Hindernisse ist die Fragmentierung der Informationssysteme. Daten, die für Rückverfolgbarkeit und Nachhaltigkeit relevant sind, werden oft über verschiedene Behörden und Plattformen verteilt gespeichert, was es schwierig macht, Informationen effizient zu verknüpfen und zu überprüfen.
„Thailand verfügt über mehrere leistungsstarke Informationssysteme“, erklärte Menniken. „Diese sind jedoch noch nicht vollständig integriert. Die Verbesserung der Interoperabilität zwischen den Systemen ist ein wichtiger nächster Schritt.“
Die Rückverfolgbarkeit ist zu einer zentralen Anforderung von Verordnungen wie der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) geworden, die Unternehmen verpflichtet, die genaue Herkunft von Rohstoffen zu ermitteln und nachzuweisen, dass die Produktion nicht zur Entwaldung beigetragen hat. Dies erfordert häufig Geodaten und detaillierte Aufzeichnungen, die Produkte bis zu bestimmten landwirtschaftlichen Betrieben oder Plantagen zurückverfolgen können.
Trotz dieser Herausforderungen schätzte Menniken, dass Thailand in Bezug auf seine Vorbereitung bereits relativ weit fortgeschritten sei und beschrieb das Land hinsichtlich seiner Bereitschaft als „sieben bis acht von zehn“.
Unterstützung der Landwirte beim Übergang
Die GIZ arbeitet seit mehreren Jahren mit thailändischen Partnern zusammen, um Landwirte, Institutionen und politische Entscheidungsträger bei der Vorbereitung auf diese Veränderungen zu unterstützen.
Die Organisation verfolgt einen dreistufigen Ansatz. Erstens arbeitet sie direkt mit Landwirten über Genossenschaften und Schulungsprogramme zusammen. Zweitens unterstützt sie den Kapazitätsaufbau in staatlichen Institutionen und Ministerien, die für landwirtschaftliche Entwicklung und Beratungsdienste zuständig sind. Drittens trägt sie zum politischen Dialog und zur Regulierungsentwicklung bei, um ein förderliches Umfeld für nachhaltigen Handel zu schaffen.
Ein wichtiger Partner in diesem Vorhaben war das Thailand Environment Institute (TEI), das eng mit der GIZ zusammenarbeitete, um im Rahmen des Projekts FIT for FAIR Forschung, Konsultationen mit Interessengruppen, thematische Workshops und politische Diskussionen zu ermöglichen.
Bei der Zeremonie übergab Dr. Wijarn Simachaya, Präsident von TEI, die umfassenden politischen Empfehlungen offiziell an Herrn Kris Uttamavetin, stellvertretenden Staatssekretär des Ministeriums für Landwirtschaft und Genossenschaften, zur Integration in den nationalen politischen Rahmen.
Dr. Wijarn betonte die Dringlichkeit dieses Übergangs und erklärte: „Wenn wir uns heute nicht anpassen, könnten thailändische Exporteure dauerhaft Chancen auf dem europäischen Markt verlieren. Diese Empfehlungen bilden eine entscheidende Brücke, um ein förderliches Umfeld für thailändische Unternehmer zu schaffen und sicherzustellen, dass sie sich nahtlos anpassen, ihren europäischen Kundenstamm erhalten und Thailand als globales Zentrum für nachhaltigen und transparenten Handel positionieren können.“
Für Landwirte, die sich noch nicht an die Sorgfaltspflichten angepasst haben, hob Menniken einige wichtige Punkte hervor. Er räumte ein, dass der Übergang herausfordernd sein kann, betonte aber, dass Vorreiter sich einen Wettbewerbsvorteil auf den internationalen Märkten verschaffen können. Zudem hob er hervor, dass Nachhaltigkeitsbemühungen die Lebensgrundlagen sichern und wirtschaftliche Chancen schaffen müssen, anstatt den Erzeugern zusätzliche Belastungen aufzuerlegen.
„Es geht hier nicht nur um Umweltschutz“, sagte er. „Es geht auch darum, das Einkommen der Landwirte zu sichern und die wirtschaftliche Rentabilität einer nachhaltigen Produktion zu gewährleisten.“
Thailand wird aufgefordert, sich auf die Anforderungen für nachhaltigen Handel vorzubereiten, da das FIT-Projekt für FAIR politische Empfehlungen übergibt.
Von politischen Empfehlungen zur Umsetzung
Die Übergabe der politischen Empfehlungen markiert den Übergang von der Analyse zur Umsetzung. Die Empfehlungen sollen die laufende Politikentwicklung unterstützen, die Koordination zwischen den Regierungsbehörden stärken, die Dateninteroperabilität verbessern und Unternehmen sowie Landwirten helfen, sich an die sich wandelnden Markterwartungen anzupassen.
Menniken betonte, dass der langfristige Erfolg von der Führung thailändischer Institutionen, Unternehmen und Interessengruppen abhängen werde.
„Die Umsetzung ist jetzt die entscheidende Aufgabe“, sagte er. „Die Grundlagen sind gelegt, aber der nächste Schritt besteht darin, die Empfehlungen in praktische Maßnahmen umzusetzen.“
Er merkte außerdem an, dass sich die allgemeine Ausrichtung der internationalen Handelspolitik trotz der einjährigen Verschiebung der EU-Entwaldungsverordnung nicht geändert habe. Die Verordnung soll voraussichtlich im Januar 2027 in Kraft treten und Unternehmen und Produzenten somit mehr Zeit zur Vorbereitung geben.
„Verzögerungen verändern den Zeitplan, nicht das Ziel“, sagte er. „Unternehmen und Landwirte, die heute in Rückverfolgbarkeitssysteme und nachhaltige Beschaffungspraktiken investieren, werden in Zukunft besser aufgestellt sein.“
Mit Blick auf die Zukunft geht Menniken davon aus, dass die Nachhaltigkeitsanforderungen über Kautschuk, Palmöl und Holz hinaus auf andere Agrarsektoren ausgeweitet werden. Die GIZ unterstützt bereits Initiativen in den Bereichen Reis, Kaffee, Kokosnüsse und klimaschonende Landwirtschaft.
Da sich die globalen Erwartungen ständig weiterentwickeln, könnte Thailands Fähigkeit, sich anzupassen und nachhaltige Produktionspraktiken zu demonstrieren, zu einem entscheidenden Faktor für den Erhalt des Zugangs zu internationalen Märkten und die Stärkung seiner Rolle im nachhaltigen Welthandel werden.
- Quelle: Bangkok Post