Kein Helm? – In Thailand kein Problem!

Kein Helm? – In Thailand kein Problem!

Bangkok. Obwohl die Verwendung eines Helms im Straßenverkehr für Motorrad- und Beifahrer in Thailand gesetzlich vorgeschrieben ist, halten viele Verkehrsteilnehmer und Opfer von Verkehrsunfällen es nicht für notwendig, eine solche Schutzausrüstung (Helm) zu tragen.

Es ist nicht nur das Thai-Boxen, bei dem das Leben und die Gliedmaßen der jungen Thailänder täglich gefährdet sind. Thailändische Jugendliche sind sogar noch stärker gefährdet, auf den Straßen des Landes schwere Verletzungen zu erleiden oder zu sterben, berichtet die Bangkok Post.

Die Straßen in Thailand können zu bestimmten Zeiten zu regelrechten Schlachthöfen werden, wie zum Beispiel zum Jahreswechsel oder an den Songkran Feiertagen mit seiner „Mai pen rai“ Freilaufatmosphäre und der weit verbreiteten Trunkenheit am Steuer eines Autos oder Motorrads.

Laut dem Global Status Report zur Straßenverkehrssicherheit 2018 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehören die Straßen Thailands nach wie vor zu den tödlichsten der Welt.

Die Verkehrssterblichkeitsrate des Landes pro 100.000 Einwohner lag 2016 bei 32,7 Personen. Damit sind die Straßen in Thailand die tödlichsten innerhalb der ASEAN, wo die durchschnittliche Todesrate ansonsten bei 20,7 Personen pro 100.000 Einwohner liegt.

Jährlich sterben landesweit durchschnittlich 22.491 Thailänder bei Verkehrsunfällen. Aufgrund dieser entsetzlichen Zahl von Todesfällen ist die verkehrsbedingte Sterblichkeitsrate des Landes unter 175 von der WHO befragten Ländern die achttödlichste der Welt.

Weltweit haben nur Venezuela und sechs afrikanische Nationen Straßen mit höheren Sterblichkeitsraten, darunter befinden sich noch Liberia, Saint Lucia, Burundi und Simbabwe.

Viele der Opfer von Verkehrsunfällen in Thailand sind Jugendliche im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, die bei Motorradunfällen sterben oder schwer verletzt werden, und normalerweise ohne Helm unterwegs sind. Sie tragen keinen Helm, obwohl die Verwendung dieser Schutzausrüstung in Thailand gesetzlich vorgeschrieben ist.

Ebenso fahren viele thailändische Motorradfahrer, auch Jugendliche, routinemäßig auf die Bürgersteige, um Verkehrsstaus auf den Straßen zu vermeiden und damit das Leben von Fußgängern zu gefährden. Vor allem in Bangkok kann man dieses für Fußgänger und Motorradfahrer gleichermaßen gefährliche Verhalten täglich beobachten. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, nehmen zahlreiche thailändische Jugendliche auch noch zusätzlich an schnellen Straßenrennen mit häufig tödlichen Folgen teil.

Die thailändische Verkehrspolizei neigt dazu, bei all diesen Verstößen die Augen zu verschließen. Ihre Nachlässigkeit dient als Anreiz für Autofahrer, das Gesetz zu brechen und dabei das Leben, auch das eigene, zu riskieren.

Kein Helm? – In Thailand kein Problem!

Kein Helm? – In Thailand kein Problem!

„Wenn Sie so leicht davonkommen können, wenn sie das Gesetz brechen, warum sollten Sie sich dann die Mühe machen, es einzuhalten?“, fragt die Bangkok Post. Tatsächlich brechen viele Polizeibeamte selbst das Gesetz, indem auch sie selber auf Bürgersteigen fahren, und ebenso sehr häufig ohne Helm unterwegs sind.

Teilweise hat Thailand, wo Millionen von Menschen legal oder illegal Waffen besitzen, auch eine der höchsten Raten an waffenbezogenen Morden in Asien. Jüngsten Schätzungen zufolge werden im Land jährlich bis zu 4,45 Personen pro 100.000 Menschen erschossen. Dies entspricht der Quote in den USA und ist um ein Vielfaches höher als in den Nachbarländern wie Kambodscha und Malaysia.

Die meisten Morde im Zusammenhang mit Waffen werden bei kriminellen Aktivitäten wie Raubüberfällen begangen oder es handelt sich um Verbrechen aus Leidenschaft, bei denen misshandelte Liebhaber sich rächen, indem sie ihren Ex-Partner erschießen.

Sogenannte Trigger-Happy Bürger, darunter auch einige Polizeibeamte, lösen verbale Auseinandersetzungen sehr häufig, indem sie einfach nach ihren Waffen greifen und ohne lange zu überlegen einfach abdrücken.

Beunruhigender Weise fordern auch noch endlose interne Kriege zwischen Schülern der verschiedenen Berufsschulen in der Hauptstadt zusätzlich ihren Tribut für das junge Leben. Jedes Jahr werden mehrere Schüler von Gleichaltrigen erschossen oder erstochen, und zwar ohne ersichtlichen Grund, außer dass sie eine andere Schule besuchen. In den Schulen tritt Gewalt schon häufig in Form von Schikanen auf.

 

  • Quelle: Bangkok Post